
In der Zusatzvereinbarung „Betreutes Wohnen für Menschen mit Behinderungen vom 25.11.2004 wird in der Präambel erwähnt: „Das Betreute Wohnen ist seit Einführung im Jahre 1986 für Menschen mit Behinderungen zu einem wichtigen Element geworden, um im Rahmen eines selbstbestimmten Lebens ihren Fähigkeiten entsprechend am Leben in der Gesellschaft teilzuhaben.“
Weiter wird erwähnt: „Das betreute Wohnen ist ein wesentlicher Bestandteil eines Hilfesystems für Menschen mit Behinderungen, dessen leistungserbringer und Leistungsträger miteinander kooperieren. Das Betreute Wohnen ist ein ambulantes Angebot außerhalb einer stationären Einrichtung. Die einzelnen Leistungen orientieren sich an dem individuellen Hilfebedarf des Menschen… und sind entsprechend weiterzuentwickeln und anzupassen.“
Es ist vom individuellen Bedarf und von der Realisierbarkeit abhängig, ob die NutzerInnen des Betreuten Wohnens allein oder in (Wohn)-Gemeinschaften leben. Im Rahmen einer Hilfeplan-Konferenz werden Personalschlüssel – das sind Kontingente von 99 bis 343 Fachleistungsstunden pro Jahr und KlientIn beantragt, diskutiert und gegebenenfalls verabschiedet. Wichtig ist, das die Erstellung des Hilfebedarfes mit dem betroffenen Menschen persönlich geschieht und von diesem auch unterschrieben wird. Auch kann er an dem Hilfeplangespräch teilnehmen.
Alle betroffenen Personen werden ermutigt, an dieser Konferenz teilzunehmen und sich dort selbst zu äußern und ihre Anwesenheit ist (wenngleich nicht Pflicht) ausdrücklich willkommen.
Bei Aufnahme wird ein Betreuungsvertrag zwischen dem/r Klienten/in und dem Psychosozialen Zentrum abgeschlossen, in dem u.a. folgende Punkte festgehalten sind:
Die zuständigen SozialpädagogenInnen / SozialarbeiterInnen organisieren mit dem/der Klienten/in nach einem Aufnahmegespräch das gemeinsame Ausfüllen des Integrierten Behandlungs- und Rehabilitationsplans (IBRP) und den strukturellen und inhaltlichen Tätigkeits- bzw. Betreuungsrahmen und „füllen ihn mit Leben“. Im Einzelnen heißt dies, die MitarbeiterInnen versuchen im Lebensraum der KlientInnen einfühlsam mit diesen eine Arbeitsbeziehung aufzubauen. Nach dem gegenseitigen Kennenlernen bildet sich - im positiven Verlauf – gegenseitiger Respekt, Kooperationsbereitschaft und Klarheit über die angestrebten Ziele. Es gilt den persönlichen Hilfebedarf des/der KlientInnen gemeinsam zu erkennen, ihn zu benennen und ernsthaft und qualifiziert an der Erfüllung zu arbeiten. Hilfe zur Selbsthilfe - mit Motivationen und Lob - ist die Devise.
Häufig auftretende Hilfestellungen sind im folgenden Umgang mit Geld, Einkaufsbegleitungen und -beratungen, Kontakthilfen zu Institutionen, Kontakte und Vermittlungen zu Ärzten, Psychotherapeuten, stationären Einrichtungen etc., Gespräche über krankheitsbezogene und/oder lebenspraktische bzw. perspektivische Themen, Planung von Arbeit oder Reha, Freizeit- und Gruppenangebote, das Einüben von hauswirtschaftlichen Fähigkeiten. Desweiteren wird eine gut vernetzte Kommunikation unter allen Beteiligten Profis und Nicht-Profis angestrebt.
„Die meisten von uns psychiatrisch Tätigen sind ursprünglich nicht an den Orten ‚ausgesetzt’ worden oder ausgestiegen, ‚wo’s den Menschen ganz schlecht geht’, heißen diese Orte nun Bombay oder psychiatrische Anstalt, aber auch wir kennen problematische Orte, ähnliche Gegenden. Gleichgültig, wo wir waren, wir sind auf der Suche, auf dem Weg zu schönen Orten.“ ( „Betreutes Wohnen“..., G. Schlichte, Bonn, 2006 ) Besonders in Betreuungsbeziehungen sollte man/frau gegenseitig die Menschen wertschätzen, sie akzeptieren und ernstnehmen und aufmerksam – ohne sich selbst zu vergessen –beobachten, was geschieht und etwas daraus lernen. Es gilt Einfluss zu nehmen, nicht nur auf den einzelnen zu betreuenden Menschen, sondern auf das gesamte soziale gesellschaftliche Gefüge, indem wir leben.
Mit Hilfe des gemeindepsychiatrischen Verbundnetzes und allen nicht-psychiatrisch Helfenden ist Integration und Respekt neben individueller, bedarfsgerechter und abgestimmter Betreuung im Vordergrund. Ausgrenzung und Stigmatisierung soll entgegengewirkt werden. Selbstständigkeit und Menschenwürde sind Ziele, für die es sich lohnt zu arbeiten.