Gemeindepsychiatrie
Die Gemeindepsychiatrie ist die Hilfe für Psychisch Behinderte, dh. Patienten oder Klienten, die nicht nur vorübergehend krank sind) auch in der Gemeinde, d.h. außerhalb der großen Anstalten und der Praxsen der niedergelassenen Psychiater. Somit ist sie eine praktische Anwendung der Sozialpsychiatrie. Sie ist, wie auch die Antipsychiatriebewegung, entstanden als Antwort auf die großen Anstalten und die Zustände in diesen.
Dazu gehören:
- Psychiatrische Stationen an allgemeinen Krankenhäusern
- Der Sozialpsychiatrische Dienst
- Ambulante psychiatische Pflege
- Tagesstätte
- Werkstätten
- Psychiatrische Institutsambulanz
Gemeindepsychiatrie ist:
- die Psychiatrie, die in die Gemeinde geht;
- die Psychiatrie, die ihren Blick und ihre Hilfen für die chronisch und „schwerer“ Erkrankten schärft.
- Die Psychiatrie, die ihre Hilfen zu den Menschen bringt, und nicht die Menschen zu zentralen Hilfeinstitutionen.
- Die Psychiatrie, die die Menschen dazu befähigen will, trotz und ggf. mit ihrer Krankheit in ihrem angestammten Lebensumfeld leben zu können.
- Die Psychiatrie, die mit dem sozialen Umfeld (Familie, Nachbarschaft) das Umfeld so gestalten will, das auch schwerer und chronisch psychisch kranke Menschen dort leben können.
- Die Psychiatrie, welche die Andersartigkeit, die Leiden, Krankheit und Behandlung, manchmal auch angstmachendes Verhalten in die Gemeinde (zurück) bringt.
- Die Psychiatrie, die auch weh tun kann. In der Gemeinde kann „das Gefühl des Alleinseins unter tausend Menschen, das Gefühl und die Erfahrung des Ausgeschlossenwerdens, des Angefeindetwerdens.“ Entstehen (Schädle 1986, S. 222)
- Die Psychiatrie, die unter den Augen der Öffentlichkeit stattfindet. „Die Psychiatrie muss also in die Gemeinde gehen, in die Straßen und Häuser, wenn sie den Menschen da helfen will, wo es not tut. ... (und) nur wenn die Psychiatrie die sie bergenden und schützenden Mauern verlässt, wird sie auch das Odium des Geheimnisumwitterten verlieren.( Schädle 1986, S. 221).